Partnerimmunisierung bei ungeklärter Sterilität und habituellen Aborten
Bei der Immuntherapie wird eine immunologische Umstimmung einer Patientin mit Kinderwunsch von der „abstoßenden Immunreaktion" zur „schützenden Immunreaktion" angestrebt. Diese Immuntoleranz wird durch eine „Impfung" der Frau mit Partnerlymphozyten erreicht, die in die Haut (intracutan) injiziert werden. In der Regel findet diese Behandlung zweimal im Abstand von 6-12 Wochen statt. Als Indikation der Therapie wird eine ungeklärte Sterilität mit drei oder mehr erfolglosen Embryotransfers nach IVF oder ICSI mit dem gleichen Partner gesehen. Weiterhin kann die Therapie bei Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten (habituellen Aborten) eingesetzt werden. Eine von unserer Abteilung durchgeführte Befragung der Patientinnen mit ungeklärter Sterilität ergab, dass innerhalb von 2 Jahren nach Immuntherapie mit anschließender künstlicher Befruchtung oder durch eine Spontanschwangerschaft eine Lebendgeburtenrate von mehr als 50 % erreicht wird (J Reproduktionsmed. Endokrinol, PO 2.14. 2025;22:236). In einer Meta-Analyse mehrerer Studien hatte die Partnerimmunisierung bei Patientinnen mit habituellen Aborten einen positiven, statistisch signifikanten (Odds Ratio: 3,22; 95% KI 2,74–3,78; p < 0.00001) Einfluss auf die Lebendgeburtenrate (Cavalcante MB, et al. Am J Reprod Immunol. 2021;85:e13408).
Ihre Schritte zu uns
1. Informieren Sie sich
Bitte informieren Sie sich anhand des Informationsmaterials und mit Unterstützung Ihrer*Ihres Gynäkolog*in
- ob Sie für das Verfahren in Frage kommen (Diagnose, Vorbehandlungen, Kontraindikationen)
- über den zeitlichen Ablauf
- über Besonderheiten, die im Rahmen dieser Behandlung, bei der der Partner als Blutspender auftritt, zu zeitlichen Rückstellungen führen können auf Grundlage der Zulassungsvoraussetzungen (z.B. Einnahme von Medikamenten, Impfungen, Eingriffe, Reisen)
2. Auftragsformular ausfüllen lassen
Wir benötigen einen Auftrag zur Immuntherapie. Dieser wird mithilfe eines entsprechenden Formulars durch die Gynäkologie erteilt. Sie können das Formular durch Ihre*n behandelnde*n Gynäkolog*in, der*die Sie bei Ihrem Kinderwunsch unterstützt, ausfüllen lassen. Das kann eine Ansprechperson im Kinderwunschzentrum sein oder bei Ihrer Praxis vor Ort.
Folgende Angaben sollten nicht fehlen:
- Name, Vorname, Geburtsdatum (Patientin + Partner)
- Indikation
- eventuelle Vorerkrankungen
- Unterschrift Überweiser*in
- Praxisstempel
3. Auftragsformular versenden
Das ausgefüllte und unterzeichnete Formular senden Sie uns anschließend zu. Bitte teilen Sie uns unbedingt mit, wie Sie und Ihr Partner krankenversichert sind (gesetzlich oder privat) und unter welcher Rufnummer wir Sie innerhalb unserer Bürozeiten am besten telefonisch erreichen können.
Sie können dies über folgende Wege tun:
- per Mail (britta.severitt(at)med.uni-goettingen.de)
- per Post (Universitätsmedizin Göttingen, Abteilung Transfusionsmedizin, TL137, 37099 Göttingen)
- per Fax (0551/39-64440)
Unsere Bürozeiten:
Montag bis Donnerstag: 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag: 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
In der Abteilung Transfusionsmedizin der UMG werden
nach Indikationsstellung im Kinderwunschzentrum
- für beide Partner die Ausgangskonstellationen und der Antikörperstatus der Frau bestimmt, sowie eine Infektionsdiagnostik durchgeführt
- beide Partner hinsichtlich ihrer Eignung und Tauglichkeit für das Verfahren voruntersucht
- die Zellen des Mannes mittels Blutentnahme gewonnen, zu Lymphozytenprodukten aufgereinigt und untersucht
- die Zellen des Partners der Frau verabreicht
- Nachuntersuchungen zum Verlauf des Antikörperstatus durchgeführt
Ausschlusskriterien bei der Partner-Immunisierung
Leider ist eine Partner-Immunisierung nicht immer ohne Weiteres möglich. Sowohl für die Partnerin als auch für den Partner gibt es Ausschlusskriterien zu beachten.
Für den Partner gilt:
Die Beurteilung der Spendefähigkeit beim Partner erfolgt auf derselben Grundlage wie bei einer Blutspende. Sie basiert auf der Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie).
Für die Partnerin gilt:
Vor der Durchführung einer Immuntherapie bei Patientinnen mit ungeklärter Sterilität oder habituellen Aborten müssen auch Kontraindikationen bzw. Ausschlusskriterien festgestellt werden. Dabei wird zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen unterschieden.
Bei Vorliegen von absoluten Kontraindikationen dürfen wir bei Ihnen leider keine Immuntherapie durchführen.
Bei Vorhandensein relativer Kontraindikationen entscheidet der Arzt*die Ärztin in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung oder bestimmten Laborergebnissen über die Eignung zur Behandlung.
Hier können Sie die absoluten Kontraindikationen einsehen
- Antiphospholipid-Syndrom
- Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis)
- Autoimmune Kardiomyopathie
- Autoimmun-hämolytische Donath-Landsteiner Anämie (paroxymale Kältehämoglobinurie)
- Chronisches Erschöpfungssyndrom
- Churg-Strauss-Syndrom
- Cogan-Syndrom
- CREST Syndrom
- Dermatomyositis
- Essentielle gemischte Kryoglobulinämie
- Goodpasture-Syndrom
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
- Juvenile rheumatoide Arthritis
- Kälteagglutininkrankheit
- Lichen sclerosus (LS)
- Lyme-Arthritis
- Mischkollagenose
- Morbus Addison
- Morbus Behcet
- Morbus Werlhof
- Multiple Sklerose
- Myasthenia gravis (MG)
- Pemphigus vulgaris
- Perniziöse Anämie
- Polyarteriitis nodosa
- Polyendokrine Autoimmuninsuffizienz
- Polymyalgia rheumatica
- Polymyositis
- Primäre biliäre Zirrhose
- Reiter Syndrom
- Rheumatisches Fieber
- Rheumatoide Arthritis
- Sarkoidose
- Sjögren-Syndrom
- Sklerodermie
- Stiff-Man-Syndrom (SMS)
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Takayasu Arteriitis (Takayasu Krankheit; Aortenbogen-Syndrom)
- Vaskulitis
- Wegenersche Granulomatose (Morbus Wegener)
Hier können Sie die relativen Kontraindikationen einsehen
- Alopecia areata
- Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)
- Autoimmune Infertilität, Autoimmune Innenohrschwerhörigkeit (AIED)
- Autoimmune Hepatitis
- Autoimmune Uveitis
- Chronische autoimmune Gastritis
- Colitis Ulcerosa
- Diabetes mellitus Typ I
- Hashimoto Thyreoiditis
- Morbus Basedow
- Morbus Bechterew
- Morbus Crohn
- Polyneuropathie
- Psoriasis
- Sprue/Zöliakie
- Sympathische Ophtalmie
- Transiente Glutenintoleranz
- Vitiligo
- Vorhandensein von Anti-HLA Antikörpern
Dokumente
Kontakt
Kontaktinformationen
- Telefon: +49 551 3964441
- E-Mail-Adresse: britta.severitt(at)med.uni-goettingen.de
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