Immuntherapie (Partnerimmunisierung) bei Kinderwunsch und wiederholten Fehlgeburten
Was ist die Partnerimmunisierung bei Kinderwunsch?
Wenn es trotz längerer Bemühungen oder nach wiederholten Versuchen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (IVF oder ICSI) nicht zu einer Schwangerschaft kommt oder es wiederholt zu Fehlgeburten (habituellen Aborten) kommt, können immunologische Ursachen eine Rolle spielen.
In diesen Fällen kann eine Immuntherapie (Immunstimulation / Partnerimmunisierung) eingesetzt werden, um die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut zu unterstützen.
Dabei werden Leukozyten des Partners durch eine Blutentnahme gewonnen, aufbereitet und anschließend der Patientin in kleinen Mengen injiziert.
Einsatz der Immuntherapie bei ungeklärter Sterilität und wiederholten Fehlgeburten
Bei der Immuntherapie (Partnerimmunisierung) wird eine immunologische Umstimmung der Patientin angestrebt – von einer eher „abstoßenden“ hin zu einer „schützenden“ Immunreaktion gegenüber dem Embryo. Ziel ist die Entwicklung einer immunologischen Toleranz, die eine erfolgreiche Einnistung und Schwangerschaft begünstigen kann.
Diese Immuntoleranz wird durch eine „Impfung“ der Frau mit Lymphozyten des Partners erreicht, die intrakutan injiziert werden. In der Regel erfolgt die Behandlung zweimal im Abstand von 6 bis 12 Wochen.
Als Indikation gilt insbesondere eine ungeklärte Sterilität mit drei oder mehr erfolglosen Embryotransfers nach IVF oder ICSI mit demselben Partner. Darüber hinaus kann die Therapie bei Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten (habituellen Aborten) eingesetzt werden.
Eine von unserer Abteilung durchgeführte Befragung von Patientinnen mit ungeklärter Sterilität zeigte, dass innerhalb von zwei Jahren nach Immuntherapie – in Kombination mit künstlicher Befruchtung (IVF/ICSI) oder durch Spontanschwangerschaft – eine Lebendgeburtenrate von über 50 Prozent erreicht werden konnte (J Reproduktionsmed. Endokrinol, 2025;22:236).
In einer Meta-Analyse mehrerer Studien zeigte die Partnerimmunisierung bei Patientinnen mit habituellen Aborten einen statistisch signifikanten positiven Einfluss auf die Lebendgeburtenrate (Odds Ratio: 3,22; 95 % KI 2,74–3,78; p < 0,00001; Cavalcante MB et al., Am J Reprod Immunol. 2021;85:e13408).
Ihre Schritte zu uns
1. Informieren Sie sich
Bitte informieren Sie sich anhand des Informationsmaterials und mit Unterstützung Ihrer*Ihres Gynäkolog*in
- ob Sie für das Verfahren in Frage kommen (Diagnose, Vorbehandlungen, Kontraindikationen)
- über den zeitlichen Ablauf
- über Besonderheiten, die im Rahmen dieser Behandlung, bei der der Partner als Blutspender auftritt, zu zeitlichen Rückstellungen führen können auf Grundlage der Zulassungsvoraussetzungen (z.B. Einnahme von Medikamenten, Impfungen, Eingriffe, Reisen)
2. Auftragsformular ausfüllen lassen
Wir benötigen einen Auftrag zur Immuntherapie. Dieser wird mithilfe eines entsprechenden Formulars durch die Gynäkologie erteilt. Sie können das Formular durch Ihre*n behandelnde*n Gynäkolog*in, der*die Sie bei Ihrem Kinderwunsch unterstützt, ausfüllen lassen. Das kann eine Ansprechperson im Kinderwunschzentrum sein oder bei Ihrer Praxis vor Ort.
Folgende Angaben sollten nicht fehlen:
- Name, Vorname, Geburtsdatum (Patientin + Partner)
- Indikation
- eventuelle Vorerkrankungen
- Unterschrift Überweiser*in
- Praxisstempel
3. Auftragsformular versenden
Das ausgefüllte und unterzeichnete Formular senden Sie uns anschließend zu. Bitte teilen Sie uns unbedingt mit, wie Sie und Ihr Partner krankenversichert sind (gesetzlich oder privat) und unter welcher Rufnummer wir Sie innerhalb unserer Bürozeiten am besten telefonisch erreichen können.
Sie können dies über folgende Wege tun:
- per Mail (britta.severitt(at)med.uni-goettingen.de)
- per Post (Universitätsmedizin Göttingen, Abteilung Transfusionsmedizin, TL137, 37099 Göttingen)
- per Fax (0551/39-64440)
Unsere Bürozeiten:
Montag bis Donnerstag: 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag: 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
In der Abteilung Transfusionsmedizin der UMG werden
nach Indikationsstellung im Kinderwunschzentrum
- für beide Partner die Ausgangskonstellationen und der Antikörperstatus der Frau bestimmt, sowie eine Infektionsdiagnostik durchgeführt
- beide Partner hinsichtlich ihrer Eignung und Tauglichkeit für das Verfahren voruntersucht
- die Zellen des Mannes mittels Blutentnahme gewonnen, zu Lymphozytenprodukten aufgereinigt und untersucht
- die Zellen des Partners der Frau verabreicht
- Nachuntersuchungen zum Verlauf des Antikörperstatus durchgeführt
Ausschlusskriterien bei der Partner-Immunisierung
Leider ist eine Partner-Immunisierung nicht immer ohne Weiteres möglich. Sowohl für die Partnerin als auch für den Partner gibt es Ausschlusskriterien zu beachten.
Für den Partner gilt:
Die Beurteilung der Spendefähigkeit beim Partner erfolgt auf derselben Grundlage wie bei einer Blutspende. Sie basiert auf der Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie).
Für die Partnerin gilt:
Vor der Durchführung einer Immuntherapie bei Patientinnen mit ungeklärter Sterilität oder habituellen Aborten müssen auch Kontraindikationen bzw. Ausschlusskriterien festgestellt werden. Dabei wird zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen unterschieden.
Bei Vorliegen von absoluten Kontraindikationen dürfen wir bei Ihnen leider keine Immuntherapie durchführen.
Bei Vorhandensein relativer Kontraindikationen entscheidet der Arzt*die Ärztin in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung oder bestimmten Laborergebnissen über die Eignung zur Behandlung.
Hier können Sie die absoluten Kontraindikationen einsehen
- Antiphospholipid-Syndrom
- Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis)
- Autoimmune Kardiomyopathie
- Autoimmun-hämolytische Donath-Landsteiner Anämie (paroxymale Kältehämoglobinurie)
- Chronisches Erschöpfungssyndrom
- Churg-Strauss-Syndrom
- Cogan-Syndrom
- CREST Syndrom
- Dermatomyositis
- Essentielle gemischte Kryoglobulinämie
- Goodpasture-Syndrom
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
- Juvenile rheumatoide Arthritis
- Kälteagglutininkrankheit
- Lichen sclerosus (LS)
- Lyme-Arthritis
- Mischkollagenose
- Morbus Addison
- Morbus Behcet
- Morbus Werlhof
- Multiple Sklerose
- Myasthenia gravis (MG)
- Pemphigus vulgaris
- Perniziöse Anämie
- Polyarteriitis nodosa
- Polyendokrine Autoimmuninsuffizienz
- Polymyalgia rheumatica
- Polymyositis
- Primäre biliäre Zirrhose
- Reiter Syndrom
- Rheumatisches Fieber
- Rheumatoide Arthritis
- Sarkoidose
- Sjögren-Syndrom
- Sklerodermie
- Stiff-Man-Syndrom (SMS)
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Takayasu Arteriitis (Takayasu Krankheit; Aortenbogen-Syndrom)
- Vaskulitis
- Wegenersche Granulomatose (Morbus Wegener)
Hier können Sie die relativen Kontraindikationen einsehen
- Alopecia areata
- Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)
- Autoimmune Infertilität, Autoimmune Innenohrschwerhörigkeit (AIED)
- Autoimmune Hepatitis
- Autoimmune Uveitis
- Chronische autoimmune Gastritis
- Colitis Ulcerosa
- Diabetes mellitus Typ I
- Hashimoto Thyreoiditis
- Morbus Basedow
- Morbus Bechterew
- Morbus Crohn
- Polyneuropathie
- Psoriasis
- Sprue/Zöliakie
- Sympathische Ophtalmie
- Transiente Glutenintoleranz
- Vitiligo
- Vorhandensein von Anti-HLA Antikörpern
Dokumente
Kontakt
Kontaktinformationen
- Telefon: +49 551 3964441
- E-Mail-Adresse: britta.severitt(at)med.uni-goettingen.de
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